olfen neu cover02

Terminkalender

email21
schoolclip21

Jahrgangsübergreifender Unterricht

Seit Schuljahrsbeginn 2002 arbeiten in zwei Klassen 3/1 Kinder und Lehrerinnen jahrgangsübergreifend. Die Eltern dieser Kinder haben sich aufgrund dieses Konzeptes freiwillig für diesen Unterricht entschieden. Dieses Angebot steht gleichwertig neben den Jahrgangsklassen, es ist ein Entwicklungsangebot, keine Entwicklungsverordnung.
Mit Beginn eines jeden Schuljahres werden, wenn Sie es wünschen, neue Klassen mit Kindern aus dem künftigen dritten und ersten Jahrgang eingerichtet.
Dieses Programm verdeutlicht die Chancen des jahrgangsübergreifenden Unterrichts.

Die Entwicklung der Idee

Ausgangspunkt unserer schulinternen Diskussion waren Überlegungen zur Verbesserung des Schulanfangs und die Diskussion des Ansatzes der jahrgangsübergreifenden Eingangsklasse, die in ein bis drei Jahren, je nach Leistungsvermögen des Kindes, durchlaufen werden kann.
In den Diskussionen im Kollegium, vor allem aber unter den Kolleginnen/ Kollegen, die sich intensiver mit diesen Ansätzen beschäftigten, spielte immer stärker die Frage eine Rolle „Und was folgt danach?“ Die Annahme, dass Kinder nach dem Durchlaufen einer solchen Eingangsklasse eine homogene Gruppe bilden, wird nachdrücklich in Frage gestellt. Das Lebensalter entspricht nicht dem Lernalter. Kinder sind unterschiedlich alt, haben eine unterschiedliche soziale Herkunft, unterschiedliches Vorwissen, sind unterschiedlich begabt, haben unterschiedliches Lernverhalten. Das wird in der Grundschulzeit nicht ausgeglichen.

Kolleginnen/Kollegen unserer Schule haben an einer Fortbildung des Instituts für Lehrerfortbildung in Mühlheim in der Marienschule in Bonn teilgenommen. Der offene Ansatz der Marienschule in Bonn der von der Schulleiterin Frau Kansy, vorgestellt wurde, überzeugte uns. Aufgrund der Berichte im Kollegium hat eine zweite Gruppe von Kolleginnen/ Kollegen der Wieschhofschule an einem weiteren Termin in Bonn hospitiert.

In diesem Prozess haben sich die Zielvorstellungen herausgebildet:

Wir bevorzugen ein Stufenmodell. Beginnen möchten wir mit der Kombination 3|1. Daraus wird im folgenden Jahr 4|2, die Lerngruppe bleibt unverändert. Zum Schuljahrwechsel wird die Teilgruppe 4 entlassen, der Jahrgang 2 wird 3, die Klasse nimmt eine Teilgruppe 1 auf, so entsteht die neue Lerngruppe 3|1 ...

Es geht um Lernförderung

Dabei stehen das unterschiedliche Lerntempo und die Differenzierung/ Individualisierung im Vordergrund. Kinder können sich in der Grundschulzeit nach ihrem individuellen Lerntempo entwickeln. Kinder mit hoher Begabung sind nicht an ein durchschnittliches Arbeitstempo gebunden. So entstehen für sie Freiräume für entdeckendes und forschendes Lernen.

Schwächere Schüler erhalten ihre Chance, individuelles Lerntempo ermöglicht Durchlässigkeit in beide Richtungen. Diese Kinder werden auch durch die Hilfe der anderen Kinder gefördert.

Jeder arbeitet am Thema auf dem ihm angemessenen Niveau: z.B. zum Thema Körper. Während die Erstklässler das Körperschema malen, die Körperteile benennen, arbeitet der dritte Jahrgang zu den inneren Organen, zur Verdauung.

Durch das Interesse der Kleinen sollen die Großen motiviert werden zu größeren Leistungen. Wissen an jüngere Kinder weiterzugeben motiviert die eigene Leistungsbereitschaft.

Die Kinder sollen ihre Arbeit erklären, ihr Wissen ordnen und es verständlich mitteilen, durch Erklären das eigene Wissen festigen.

Es geht um soziales Lernen

In besonderer Weise wird in dem von uns favorisierten Modell 1|3 => 2|4 das soziale Lernen gefördert. Kinder lernen in starkem Maße voneinander, die Großen fühlen sich für die Kleinen verantwortlich. „Ich trage Verantwortung“ führt zu sozialem Miteinander. Der Wechsel der Große wie auch der Kleine zu sein, schafft ein anderes soziales Klima.

Rivalitäten, Streit und Auseinandersetzung blockieren Lernen. Insofern steigert ein gutes soziales Klima auch die Lernfähigkeit.

Die Kinder fühlen sich durch Größere unterstützt und beschützt. Die Kleinen können sich ihren Paten suchen. Größere sollen Kleineren das Lernen zeigen. Die Größeren und die Kleineren sollen sich um Freundschaft bemühen, Patenschaften pflegen.

Die Arbeit des anderen ernst nehmen, bewundern, anerkennen.

Es geht um eine unterstützende Lernorganisation

Die Kinder des 3. Jahrgangs geben in dieser Klasse die Gruppenregeln, die Lern- und Arbeitsstruktur, das soziale Verhalten an die Schulanfänger weiter. Regeln werden vorgelebt.

Organisation tritt zurück, es bleibt mehr Zeit zum Lernen. Die Großen haben täglich eine Stunde mehr Unterricht, in dieser Kleingruppe kann intensiver gearbeitet werden als in einer reinen Jahrgangsklasse mit 28 Kindern.

Das gegenseitige Helfen wird in der Kombination 3|1 deutlicher, es entsteht dort kein Konkurrenz- und Rivalitätsverhalten. Da auch diese Teilgruppen keine homogenen Gruppen sind, umfasst diese Kombination oft das gesamte Grundschulspektrum.

Die Voraussetzungen...

hinsichtlich der Schulorganisation

Die Stundentafel bietet die Möglichkeit für die Klassen 3 bzw. 4 eigene Stunden anzubieten, die speziell den Anforderungen/ dem Entwicklungsstand dieser Gruppe entsprechen.

Die Stundentafel weist für Klasse 1:  19 bis 20 Stunden.

                 für Klasse 3:  25 bis 26 Stunden,
                 für Klasse 2:  21 bis 22 Stunden

                 für Klasse 4  26 bis 27 Stunden aus.

 

Eine erste Evaluation

Diese Fragen haben wir uns in der Planungsphase selbst gestellt:

Es geht um Lernförderung

Wir beobachten,

wie selbstständig sich die Kinder neue Aufgaben erschließen,

wie die Motivation durch die Zusammenarbeit trägt,

wie sich die Schullaufbahn der Kinder (Klassenwiederholungen, Übergänge zu

Sonderschulen, Verweildauer begabter SchülerInnen) entwickelt,

die schulische Leistung auch durch Parallelarbeiten.

 

Es geht um soziales Lernen

Wir beobachten

den Umgang mit Konflikten von außen (Pausensituationen),
den Umgang mit Konflikten von innen (Konfliktlösung im Klassenrat).

Wie viel Zeit und Aufmerksamkeit erfordern Konflikte? Wie viel lernbereiter sind Kinder in konfliktfreier Umgebung?
Wie schnell tragen vorgelebte Regeln?

Es geht um eine unterstützende Lernorganisation

Wir beobachten:

Wird der Anfangsunterricht intensiver, weil weniger aufwendige Organisationsformen erforderlich sind?

Wie intensiv sind die Gespräche / die Arbeiten in den Teilgruppen?

Durch welche Klasseneinrichtungen lassen sich solche Arbeitsformen stützen (z.B. großer Tisch für die Teilgruppe? Welche Erfahrungen lassen sich auf Jahrgangsklassen übertragen?

Veränderungen in der Schuleingangsphase

Die Kleinen wählen sich ihren Paten, die Großen nehmen diese Aufgabe sehr ernst, sie sind (in der Regel) Vorbilder.

Die Ordnungsstruktur ist einfach gegeben: sich im Gebäude, im Klassenraum zurecht finden, Material holen und wegbringen, Blätter abheften

Das Schreiben und Rechnen steht von Anfang an viel stärker im Mittelpunkt, organisatorische Probleme erledigen sich fast von selbst. Die Schuleingangsphase ist in den Klassen 3|1 wesentlich stabilisiert.
Die Schulanfänger in diesen Klassen haben mehr Zeit zu lernen, sie schreiben früher frei. Die Anfangsphase prägt in starkem Maße ihre künftige Arbeitshaltung.

Leistung

In unserer sechszügigen Grundschule werden Klassenarbeiten in den Klassen 3 und 4 in der Regel parallel vorbereitet. Die Ergebnisse zeigen keine Auffälligkeiten. Für Rückschlüsse sind die Vergleichsgruppen zu klein, die 3-er sind alle zunächst in Jahrgangsklassen gewesen, unsere Einschätzung bezieht sich auf einen sehr kurzen Zeitraum.
Die Elternfrage „Lernen die 3-er denn auch genug?“ kann klar bejaht werden:
Die Stoffplanung geht von den 3-ern aus, ihre Inhalte werden für die 1-er herunter

transponiert, sofern nicht ohnehin verschiedene Themen nebeneinander bearbeitet werden.

Unterstützung
Der Zeitaufwand für unterstützen und helfen ist sehr gering, oft reichen kurze Momente. „Etwas erklären“ bedeutet auch, sich zunächst selbst Klarheit zu verschaffen. Es ist keine verlorene Zeit, beide profitieren davon.

soziales Lernen

Es zeigt sich weniger Rivalität, das Verhalten ist aggressionsfreier. Die Kontakte untereinander reichen auch im Nachmittagsbereich über die Jahrgangsgrenzen hinweg, man trifft sich, lädt zum Geburtstag ein.

Den Großen bedeutet es viel, Vorbild zu sein, dies bestimmt ihr Verhalten. Die Kleinen nehmen Rücksicht, sie sind z.B. ganz leise, wenn die Großen Klassenarbeiten schreiben.

Es ist kein „oben“ und „unten“, in Gesprächen, bei gemeinsamer Arbeit bringen sich die 1er kompetent ein.
Das positive Klassenklima fördert das Lernen.

räumliche Voraussetzungen

Der Klassenraum ist klar zu strukturieren. Es ist viel mehr Material vorzuhalten als in der Jahrgangsklasse. Der „blaue Tisch“ vorn vor der Tafel hat sich als nützlich erwiesen. Er ist so groß, dass die halbe Gruppe beim „direkten Unterricht“ dort Platz findet. Die Lehrerin/der Lehrer sieht bei Einführungen, wer noch Fragen hat, unsicher ist, zusätzliche Erklärungen oder Hilfen benötigt. 13 oder 14 Kinder kann er/sie viel intensiver beobachten und fördern.
Die andere Gruppe sitzt an ihren Stammplätzen oder findet sich neu zusammen.

Selbstständigkeit

Die Kinder arbeiten selbstständiger.

Im klaren Wechsel von direktem Unterricht (z.B. Einführungsphasen, Aufgabenstellungen etc) und z.B. Werkstattunterricht, Übungsphasen wissen sie, für wen die Lehrerin/der Lehrer jetzt da ist. Sie lernen, sich leise Hilfe von anderen Kindern Hilfe zu holen bzw. leise anderen Kindern zu helfen. Diese Kommunikation läuft also weniger über die Lehrerin/den Lehrer.

Arbeitsaufwand

Der Planungsaufwand ist wesentlich höher als in der Jahrgangsklasse. Das setzt voraus, dass LehrerInnen stärker miteinander kooperieren und nicht nur lose Absprachen treffen.

Die Lehrerin/ der Lehrer lernt neu zu unterrichten. Er/sie muss den Vormittag klarer strukturieren.
Das Klassenklima ist entspannter, der Unterricht selbst verläuft stressfreier.

In der Umstellungsphase sollte die Lehrerin/der Lehrer unterstützt werden, z.B. durch teilweise Doppelbesetzung.

 

pdf adobe bild03020202

Druckversion

[Wieschhos] [Vorwort] [Hier lernen Kinder] [Pädagogische Grundideen] [Umsetzung der Richtlinien] [Vorbereitung des Schulanfanges] [Schuleingangsphase] [Jahrgangsübergreifender Unterricht] [Förderkonzepte] [Klassenfahrten] [Arbeit mit externen Gremien] [Übergang weiterführende Schule] [Elternmitwirkung] [Schul- und Hausordnung] [Das lernen Kinder hier] [Angebote und Aktivitäten] [Schulentwicklung] [Aktuelles/Presse] [Impressum]