Link verschicken   Drucken
 

Jahrgangsübergreifendes

Seit Schuljahresbeginn 2002 arbeiteten einige Kinder und Lehrerinnen jahrgangsübergreifend. (Zum Vergleich: Von 24 Regelklassen starteten nur zwei Klassen jahrgangsübergreifend). Die Eltern dieser Kinder haben sich in der damaligen Startphase aufgrund dieses Konzeptes freiwillig für diesen Unterricht entschieden.

 

Ausgangspunkt unserer schulinternen Diskussion waren Überlegungen zur Verbesserung des Schulanfangs und die Diskussion des Ansatzes der jahrgangsübergreifenden Eingangsklasse, die in ein bis drei Jahren, je nach Leistungsvermögen des Kindes, durchlaufen werden kann. Es ging um Nichtvergleichbarkeit, um Verbesserung des Sozialverhaltens, ein besseres Miteinander im täglichen Zusammensein und auch um die Erhöhung der Arbeitszufriedenheit des einzelnen Lehrers.

 

In den Diskussionen im Kollegium, vor allem aber unter den Kolleginnen/ Kollegen, die sich intensiver mit den Ansätzen des Schuleingangs, heute Schuleingangsphase genannt, beschäftigten, spielte immer stärker die Frage eine Rolle „Und was folgt danach?“ Die Annahme, dass Kinder nach dem Durchlaufen einer solchen Eingangsklasse eine homogene Gruppe bilden, wird nachdrücklich in Frage gestellt. Das Lebensalter entspricht nicht dem Lernalter. Kinder sind unterschiedlich alt, haben eine unterschiedliche soziale Herkunft, unterschiedliches Vorwissen, sind unterschiedlich begabt, haben unterschiedliches Lernverhalten. Das wird in der Grundschulzeit nicht ausgeglichen. Kolleginnen/Kollegen unserer Schule haben damals an einer Fortbildung des Instituts für Lehrerfortbildung in Mühlheim in der Marienschule in Bonn teilgenommen. Der offene Ansatz der Marienschule in Bonn der von der Schulleiterin Frau Kansy vorgestellt wurde, überzeugte uns. Aufgrund der Berichte im Kollegium hat eine zweite Gruppe von Kolleginnen/ Kollegen der Wieschhofschule an einem weiteren Termin in Bonn hospitiert. In diesem Prozess haben sich die Zielvorstellungen herausgebildet: Wir bevorzugen ein Stufenmodell. Beginnen möchten wir mit der Kombination 3|1. Daraus wird im folgenden Jahr 4|2, die Lerngruppe bleibt unverändert. Zum Schuljahrwechsel wird die Teilgruppe 4 entlassen, der Jahrgang 2 wird 3, die Klasse nimmt eine Teilgruppe 1 auf, so entsteht die neue Lerngruppe 3|1 .... Dazu kommt, dass seit Inkrafttreten des ersten Gesetzes zur Umsetzung der VN-Behindertenrechtskonvention in den Schulen, dem 9. Schulrechtsänderungsgesetz und der damit einhergehenden Umsetzung der Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen der gemeinsame Unterricht von Menschen mit und ohne Behinderung als Regelfall im Schulgesetz von NRW verankert ist:

"Die Schule fördert die vorurteilsfreie Begegnung von Menschen mit und ohne Behinderung.

 

In der Schule werden sie in der Regel gemeinsam unterrichtet und erzogen (inklusive Bildung). Schülerinnen und Schüler, die auf sonderpädagogische Unterstützung angewiesen sind, werden nach ihrem individuellen Bedarf besonders gefördert, um ihnen ein möglichst hohes Maß an schulischer und beruflicher Eingliederung, gesellschaftlicher Teilhabe und selbstständiger Lebensgestaltung zu ermöglichen." (Schulgesetz § 2 , Absatz 5 neu; S. 12) . (Der Ausbau von Angeboten des Gemeinsamen Lernens zu einem inklusiven Schulsystem soll schrittweise erfolgen.) Diese Situation hat das gesamte Kollegium in Aufregung versetzt. Die Sorge darum, den Kindern weiterhin individuell gerecht zu werden, wird von allen geteilt.

 

Als Ergebnis unserer Konferenz zeigten sich viele unbedeutende Nebenschauplätze, aber ein Hauptschauplatz kristallisierte sich klar heraus: die mögliche Umstellung der gesamten Schule auf den Jahrgangsübergreifenden Unterricht als eine unserer Gelingensbedingungen für Inklusion.

 

Zu b): Die jahrgangsübergreifende Mischung und die Verknüpfung der Gruppen wurde im Schuljahr 2015/2016 erstmals folgendermaßen organisiert:

 

Schüler und Klassenzahlen im Schuljahr 2015/16

Klassenbezeichnung

Lehrer

KL 1

KL 2

KL 3

KL 4

Buche

 

Schwabe

11

 

13

 

Pangalos

 

13

 

13

Eiche

 

Rips

11

3

10

 

Gerikg

2

13

 

13

Kastanie

 

Lechner

11

 

13

 

Schirk

 

13

 

14

Birke

 

Althoff

11

 

13

 

Münch

 

11

 

15

Platane

 

Hoetzel

11

1

12

 

Leuchten

 

13

1

12

Ahorn

 

Uwira

11

 

13

 

Thöne

 

13

 

13

Weide

 

Geiping

11

 

13

 

Gerhard

 

13

2

12

Linde

 

Polisoidis

11

 

13

 

Krusa

 

12

 

14

 

 

90

105

103

106

 

 

 

 

 

404

Wenn man beispielsweise die Eiche betrachtet, sieht man, dass 10 Kinder in die Stufe drei versetzt werden, drei Kinder jedoch die Schuleingangsphase in drei Jahren durchlaufen und damit als Zweitklässler verbleiben. In der Weideklasse 2 sieht man zwei Drittklässler im zukünftigen dritten Schuljahr, die drei Jahre in der Schuleingangsphase verblieben sind und erst zum kommenden Schuljahr die Ziele der Klasse 3 erreichen werden. Damit werden in der Weiterentwicklung dieser Organisationsform alle Klassen alle vier Schuljahre umfassen und damit vollständig jahrgangsübergreifend 1 – 4 geführt werden. Die Anzahlen der Kinder in den jeweiligen Jahrgangsstufen werden allerdings nicht homogen, sondern individuell verteilt, denn der Verbleib eines Kindes um ein weiteres Jahr in der Schuleingangsphase und damit das Durchlaufen der Grundschule in fünf Jahren zeigt sich erst im Verlauf des zweiten Schulbesuchsjahres.

 

Alle Kinder haben in ihrer Schulzeit an der Wieschhofschule ein „Baumzuhause“. Dieser Baum bildet alle vier Klassenstufen der Grundschule ab, damit sind alle Fördermöglichkeiten gegeben: Ein Kind, das drei Jahre in der Schuleingangsphase verbleibt, kann zu jedem Zeitpunkt Inhalte aus den Klassen 1 und 2 bearbeiten. Genauso ist es möglich, innerhalb einer Gruppe die Grundschulzeit in nur drei Jahren zu durchlaufen. Die Kinder würden in beiden Fällen in der bekannten Kindergruppe bei den bekannten zwei Klassenlehrerinnen verbleiben. Auch Vertretungssituationen und Verantwortlichkeiten bleiben jeweils in der Baumgruppe. Die Großgruppe ermöglicht zudem eine noch viel intensivere und individuellere Differenzierung und Förderung innerhalb von Kleingruppen. Gerade Kinder mit Förderbedarfen wären dann nicht mehr im gleichen Klassenraum inhaltlich „isoliert“, es gibt dann immer Kinder, die leistungsmäßig an ähnlichen Aufgaben arbeiten würden, sodass es auch für die Förderkinder viel regelmäßiger gemeinsame Erarbeitungen geben kann. Die beiden Klassenlehrerinnen arbeiten sehr eng zusammen und teilen sich den zu erteilenden Unterricht nach persönlichen Qualifikationen auf. Die für 2015 vorgesehenen Lerngruppen werden dann als zwei Teilgruppen einer Jahrgangsübergreifenden Klasse 1-4 geführt. Der Verbleib des einzelnen Kindes innerhalb dieser Lerngruppe ist dann, je nach individuellem Förderbedarf 3 – 5 Jahre. Diese Kindergruppe hat in der Regel zwei nebeneinanderliegende Klassenzimmer mit Verbindungstür als Raum und zwei dauerhaften Klassenlehrkräften für alle Kinder. Zwei Lehrerinnen sind gemeinsam für diese Klassen zuständig und stellen eine absolute Konstante für Kinder und Eltern dar. Da zunehmend die Schule für die Kinder die hauptsächliche Konstante im Leben vieler Kinder ist, wird diese Tatsache umso wichtiger. Dem Stundenplan liegt das Prinzip des jahrgangsübergreifenden Lernens in einem Team mit Kindern im Alter von 6 – 10 (Klasse 1-4) zu Grunde. Zusätzlich haben die Kinder im Fach Englisch jahrgangsreinen Unterricht. Das Fach Mathematik ist nicht in das Förderband aufgenommen, vielmehr liegen hier mindestens zwei Stunden in der Woche innerhalb der Stammgruppen parallel, sodass die Schüler zwischen den Klassenstufen wechseln können. Ein Kind des zweiten Schuljahres, das den Zwanzigerraum noch nicht überblickt, kann beispielsweise am Unterricht der Klasse 1 teilnehmen, ebenso wie ein Kind der Klassenstufe 3, das das Einmaleins noch nicht richtig verstanden hat oder beherrscht, am Stoff der Klasse 2. Kinder, die bereits über sehr gute mathematische Kenntnisse verfügen, können gleichermaßen am Unterricht der nächsthöheren Stufe teilnehmen. Neben diesen flexiblen Gruppierungen umfasst der Mathematikunterricht auch Forscherprojekte in jahrgangsübergreifenden Gruppen 1/2/3/4, in denen im Rahmen von Forscherheften mathematische Phänomene und Strukturen erarbeitet, diskutiert und reflektiert werden.

 

Die Schüler haben jede Woche Deutsch in jahrgangsgemischten Gruppen 1/3 und 2/4, sodass hier die Durchlässigkeit sowohl für schwächere als auch für stärkere Schüler gegeben ist. In diesen Stunden wird in Klasse 1/3 beispielsweise der Buchstabenlehrgang durchgeführt, sodass die Kinder nach ihren individuellen Möglichkeiten entweder die Buchstaben wiederholen können oder sich bereits mit dem weiterführenden Entwickeln einer individuellen Handschrift und Rechtschreibregeln auseinandersetzen können. In Klasse 2/4 wird hier an verschiedenen Aufsatzthemen oder der Rechtschreibung und Grammatik gearbeitet. Im Bereich Sport und Schwimmen werden die Kinder einmal in der Woche in Lerngruppen der Struktur 1/2 bzw. 3/4 aufgeteilt. Alle Kinder gehen gemeinsam den Weg zur Sport- und Schwimmhalle. Die Gruppe 1/2 hat dann eine Doppelstunde Sport, die Gruppe 3/4 in der gleichen Zeit eine Doppelstunde Schwimmen. Den Rückweg legen die Kinder wieder gemeinsam zurück. Auch der Kunstunterricht wird phasenweise in jahrgangsgemischten Lerngruppen, die alle Jahrgangsstufen umfassen, durchgeführt. In diesem Bereich bietet jede Lehrkraft ein Angebot bzw. Thema an und die Kinder können wählen, an welchem Angebot sie in den nächsten Stunden teilnehmen.

 

Der Englischunterricht wird vollständig in jahrgangsreinen Lerngruppen in Kooperation mit der Baumklasse und einer Parallelklasse durchgeführt. Er ist stark lehrgangsbezogen und immer noch sehr frontal, sodass es unseres Ermessens nach in der Grundschule keine Möglichkeit gibt, dieses Fach gemischt zu unterrichten. Sehr wohl nehmen aber Kinder aus der Klassenstufe 2 im zweiten Schulbesuchsjahr und auch der Klassenstufe 2 im dritten Schulbesuchsjahr an einer gemeinsamen Englischgruppe für 2er teil. Je länger diese Organisationsform läuft, desto mehr wird sich jede Klasse in eine jahrgangsübergreifende Klasse 1- 4 verwandeln.

Die Baumgruppe fährt gemeinsam auf Klassenfahrt und führt ihre Klassenfeste oder auch Wandertage gemeinsam durch. Auch im Nachmittag finden sich alle OGGS-Kinder einer Baumgruppe in einer gemeinsamen Hausaufgabengruppe ein. So wird diese Gruppe als Mikrosystem familiär für die Kinder.

 

Beispiel:

Klassenbezeichnung

Lehrer

KL 1

KL 2

KL 3

KL 4

Weide

 

Geiping

11

 

13

 

Gerhard

 

13

2

12

 

… wird in 16/17:

 

Weide

 

Geiping

 

11

 

13

Gerhard

11

 

15

 

 

Zentral für die Schulqualität sind die Lernergebnisse der Kinder in den unterschiedlichen Bereichen, jedes Kind ist so individuell zu fördern, dass es Lernzuwachse erreicht und die Grundschule in maximal fünf Jahren erfolgreich durchlaufen kann. Deshalb richten wir unsere Unterrichtsentwicklung hier an der Wieschhofschule an den Kindern aus.

Jahreskalender
 
 
 
Aktuelles